Warten auf den neuen Himmel und die neue Erde – Andacht zum Monatsspruch November 2024

Monatsandacht November 2024: Warten auf den neuen Himmel und die neue Erde
„Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.“ (2. Petr. 3,13)

Drei Stichworte möchte ich in dieser kurzen Monatsandacht besonders hervorheben: Warten, Neues und Gerechtigkeit.

Warten – Geduld als geistliche Tugend

Das Warten hat in der Bibel einen hohen Stellenwert. Schon die Menschen zur Zeit der Bibel waren, genau wie wir heute, oft schlecht im Warten. Unsere moderne Welt ist darauf ausgerichtet, alles zu optimieren, um möglichst keine Zeit zu verlieren. Wir ärgern uns über verspätete Züge oder langsames Internet. Aber diese Art des Wartens ist nicht das, was der 2. Petrusbrief meint.

Biblisches Warten ist kein passives Ausharren, sondern ein aktives Erwarten. Es ist mit Hoffnung verbunden. In der Bibel lesen wir immer wieder von Menschen, die mit Geduld und Vertrauen auf Gottes Eingreifen gewartet haben – sei es Abraham, der auf die Verheißung eines Sohnes wartete, oder das Volk Israel, das auf die Befreiung aus Ägypten hoffte.

Warten bedeutet, dass wir uns bewusst auf Gottes Zeitplan einlassen, in der Gewissheit, dass alles Wichtige, Lohnenswerte und Gute seine Zeit braucht. Wie der Psalmist sagt: „Meine Zeit steht in deinen Händen“ (Ps. 31,16). In dieser Haltung des Wartens liegt ein tiefer Ausdruck von Vertrauen und Hoffnung auf das, was Gott für uns bereithält.

Das Neue – nicht Ersatz, sondern Verwandlung

Das zweite Stichwort ist „Neues“. Der 2. Petrusbrief spricht von einem „neuen Himmel“ und einer „neuen Erde“. Man könnte denken, dass dies bedeutet, die alte Welt wird einfach weggeworfen und durch     etwas komplett Neues ersetzt. Doch das ist nicht der biblische Gedanke. In der biblischen Vorstellung geschieht das Neue oft nicht durch radikale Zerstörung, sondern durch Verwandlung und Erneuerung.

Das „Neue“ in der Bibel ist kein Konsumgut, das nach kurzer Zeit ersetzt werden muss. Diese Sichtweise erinnert uns an unser Konsumverhalten, besonders im Kontext von „Fast Fashion“, wie es mein Sohn kürzlich im Rahmen eines Schulprojekts untersucht hat. „Fast Fashion“ beschreibt das Phänomen, ständig neue Kleidung zu kaufen, die unter schlechten Bedingungen produziert und nach kurzem Gebrauch wieder entsorgt wird. Diese Form von Neuem schadet der Schöpfung, die uns anvertraut ist.

Anders verhält es sich mit dem Neuen, das Gott verheißt. Die Verwandlung der Schöpfung wird aus der bestehenden Welt heraus geschehen – es ist kein Wegwerfen, sondern ein Aufblühen, eine Erneuerung.

Gerechtigkeit – Wo Gott wohnt

Das dritte Stichwort ist „Gerechtigkeit“. In der Verheißung des neuen Himmels und der neuen Erde heißt es, dass dort „Gerechtigkeit wohnt“. Was ist mit Gerechtigkeit gemeint?

Gerechtigkeit in der Bibel ist mehr als bloße Gesetzestreue. Es ist eine heilende, wiederherstellende Kraft, die Beziehungen zwischen Gott und den Menschen, aber auch zwischen den Menschen untereinander und mit der Schöpfung in Ordnung bringt. Sie bedeutet, dass alles so ist, wie Gott es ursprünglich gemeint hat. Wo Gerechtigkeit wohnt, da ist Gottes Herrschaft gegenwärtig.

Ein Zitat von Dietrich Bonhöffer fasst diese Hoffnung auf die Erneuerung und Gerechtigkeit schön zusammen:
„Es ist das Kennzeichen des Glaubens, nicht nur im Verborgenen zu leben, sondern auf die Zukunft Gottes zu warten, zu vertrauen, dass das, was er begonnen hat, er auch vollenden wird.“

Mit herzlichen Grüßen an Sie liebe Leser und Leserinnen und allen unseren Mitgliedern.

Ihr Pfarrer Peter Demuth.


Leave a Reply